Kategorie KRIMSKRAM


Retro-LAN VII

Eine Halle voller Röhrenmonitore und aufgetunter PCs aus der Zeit vor 2006, etwa zwei Dutzend gut gelaunte Gamer, drei Tage und drei Nächte lang Ballern, Lachen, und Fachsimpeln, bei Junkfood und Energydrinks und viel Spaß bei wenig Schlaf - meinereiner war diese Woche wieder in Düren auf der Retro-LAN. Und wieder voll im LAN-Party-Feeling wie früher! 😎
LAN-Party
Hier hat jemand alles richtig gemacht: genau so muss ein Platz auf einer LAN-Party aussehen! 🤣
Ich hatte diesmal wieder das "fette Zebra" mit dabei - den Rechner im Zebralook von vor zwei Jahren. Diesmal aber aufgerüstet zu einem SLI-System, mit dickem Athlon X2 4800+ Prozessor und Seitenfenster mit Blick auf die Wasserkühlung:
LAN-PartyLAN-Party
Mein LAN-Setup
Leider zickte das Zebra bereits an Tag 1 ziemlich rum:
LAN-Party
So was braucht niemand auf einer LAN 🙁
Ich vermute das Problem liegt beim Mainboard. Zwar lief die Kiste nach einem Downgrade auf eine Einzelgrafikkarte mehr oder weniger stabil für den Rest der LAN, aber das ist nun schon mein viertes Board mit NF4-Chipsatz, welches trotz Recap plötzlich anfängt völlig random Ärger zu machen. Und ein unzuverlässiger Rechner ist natürlich der GAU auf einer LAN :-( Wenigstens lief dafür mein Zweitsystem, ein in letzter Minute fertig gewordener Umbau eines Apple iMac zum Windows-PC, unerwartet problemlos. Aber zu diesem schönen Modding-Projekt werde ich ein andermal noch Details erzählen... An schönen Modding-Projekten gab es ohnehin einiges zu bewundern:
LAN-Party
UV-floureszierende Kühlflüssigkeit und massive Rechenleistung hier.
LAN-Party
Und hier wurde die Kühlmittelpumpe kurzerhand einfach im Ausgleichsbehälter versenkt. Somit schon mal eine potentiell undichte Komponente weniger 😅.
Gespielt wurden - der alten Hardware entsprechend - die LAN-Klassiker von damals. Also beispielsweise Serious Sam, Command & Conquer, Flatout sowie natürlich Counter Strike, Unreal Tournament und Quake. Und wenn er sich erst mal richtig warm gespielt hat, dann hat es der alte Cypax immer noch drauf wie früher:
LAN-Party
😎

Ein schlechter Zeitpunkt...

... um sich einen neuen PC zu kaufen. Mein Haupt-PC zeigte in letzter Zeit zunehmend diverse Ausfallserscheinungen. Kann man der Kiste nicht verübeln - die meisten Komponenten sind schließlich noch aus 2011. Kein Witz. Zeit also, mal etwas Kohle in die Hand zu nehmen, um sich einen neuen Rechner zu bauen. Nur leider ist die Zeit gerade geprägt durch absurde Preise für Speicher und Grafikkarten. Das ging in den letzten Wochen komplett durch die Decke und ein Ende davon ist nicht abzusehen. Da hätte ich besser mal schon vor einem halben Jahr aufrüsten sollen. 😕 Oder letztes Jahr nicht so viel mit KI herumspielen sollen 😅 - denn die großen Player (Google, Amazon, Meta, Microsoft, ...) jedenfalls stampfen nun neue KI-Rechenzentren aus dem Boden und kaufen dafür Speicherchips in Unmengen und zu egal welchem Preis. Für irgendwelche PC-Bastler bleibt da nicht viel übrig auf dem Markt und entsprechend steigen dann die Preise. Und da diese Lage allen Prognosen nach wohl erstmal noch schlimmer werden wird, um dann lange schlimm zu bleiben, war es wohl klüger jetzt noch fix zuzugreifen um sich einen Rechner zu bauen:
Neuer PC
Was mir aber an derzeitigen PC-Trends gar nicht gefällt, ist dieser langweilige und unpraktische Aquarium-Look überall: das Gehäuse ist im Prinzip ein Glaskasten mit Beleuchtungsspektakel, bei dem meist die Funktion hinter dem Design zurücksteht. Praktischerweise hatte ich ja noch den "Aschenbecher" - ein großes Gehäuse mit viel Platz, Schächten für optische Laufwerke und trotzdem schick. Und es stinkt inzwischen auch nicht mehr wie eine Raucherkneipe. Für die interessierten Nerds, hier eingebaut sind nun:
  • Asus TUF B850-Plus
  • AMD Ryzen 9 9950X
  • 64 GB Kingston Fury Beast
  • GeForce 5060 Ti 16 GB
Und eine custom Wasserkühlung mit riesigem Radiator, die aktuell aber nur die CPU kühlt. Und ja, bei der WaKü hat mich dann zugegeben auch etwas der Spaß an Beleuchtung gepackt. 😁 Aber neuer PC mit Wasserkühlung und tollem Lichtspektakel hin oder her - absolut still ist so eine Kiste ja trotzdem nie. Und wenn ich konzentriert an etwas arbeiten will, dann kann ich maximal noch das Schnarchen der Katze tolerieren, aber kein Lüfterrauschen in meiner Gegenwart. Darum kommt der schicke PC wie schon sein Vorgänger in den Nebenraum: direkt hinter meinem Monitor gibt es ein faustgroßes Loch in der Wand, da gehen alle Kabel von Maus, Tastatur, Monitoren, etc. durch zum PC und der kann dann dort drüben so viel rauschen wie er will:
Loch in WandNeuer PC
Hübsch und neu und trotzdem ins Kellerloch verbannt.

Vintage Computer Festival in Solothurn

KITTNachdem wir vom Freiburger Roboterclub im Januar auf dem Vintage Computer Festival in Zürich waren, zogen wir heute erneut los um alten Rechnern und blinkenden Bastelprojekten einen Besuch abzustatten. Diesmal aber nach Solothurn, wo nicht nur das VCF stattfand, sondern gleich auch noch ein ganzes Museum zu Computern, Funk- und HiFi-Geschichte, coolen Autos und noch viel mehr die Nerdherzen höher schlagen lässt.
Vintage Computer Festival in Solothurn, Blick über Halle im EGBreakout auf 1cm-Röhrenmonitor
Jede Menge interessante Exponate und skurrile Bastelprojekte beim VCF im EG des Museums - z.B. Breakout auf winzigen 1cm Bilddiagonale, gesteuert durch einen ATmega.
VCFVCFVCFVCF
Und wie bei den Tüftlern im Erdgeschoss, lädt auch die Museumsausstellung in den zwei Etagen darüber zum Anschauen und Anfassen ein:
Enter TechnikweltEnter Technikwelt
Links ein Highlight für alle Roboter-Fans; und auch für schöne alte Radios können wir uns ja begeistern. 😊
Enter Technikwelt
Derweil wurde hier eindrucksvoll dargestellt, was die schöne alte Technik anzurichten vermag, wenn ihr zu heiß wird.
Ein, wie ich finde, tolles Ausstellungsstück, das mal nicht von irgendwelchen Daten und Jahreszahlen berichtet, sondern von ganz realen Aspekten der Geschichte.
Wirklich sehr gelungen und begreifbar gemacht ist auch der Ausstellungsbereich mit Nachbildungen verschiedener Räume aus verschiedenen Zeitepochen. Ob Teslas Büro aus achtzehnhundertnochwas, ein Fernsehstudio in den 60ern oder hier, ein Kinderzimmer aus den 80ern/90ern:
Enter Technikwelt
(Wobei ich hier einwenden möchte, dass meines damals bei weitem nicht so cool war. 😅)
Und zum Schluss gab es im Keller noch zwei Highlights:
Enter TechnikweltEnter TechnikweltEnter Technikwelt
Highlight #1: Eine Ausstellung berühmter Autos aus Film und Fernsehen. Von Batman über Knight Rider und James Bond bis Manta Manta und Herbie.
Enter Technikwelt
Highlight #2: Das begehbare Archiv des Museums (hier ein Blick in nur einen von vielen Gängen). Inklusive des unverkennbaren Dufts von alter Elektronik, staubigen Röhrenmonitoren und dem Odor von vergessenen Plattenspielern - einfach himmlisch! 🤩
Die weiblichen Mitglieder meines Haushalts wären zwar sicher der Ansicht, dass jenes Museumsarchiv weder optisch noch geruchlich wesentlich vom Zustand unseres Kellers daheim unterscheidbar sei. Dennoch ließ ich nicht die Gelegenheit verstreichen, zum Ausklang des Tages beim VCF-Flohmarkt noch ein paar Grafikkarten und Laufwerke einzusacken. Für meine eigenen nächsten Bastelprojekte ist also auch gesorgt. 😉

Besuch im Nixdorf-Computermuseum

Kürzlich war ich in Paderborn im Nixdorf-Computermuseum. Das wird jetzt ein sehr bildlastiger Artikel, darum erst mal Fotos und dann ein paar weise Worte zum Schluss:
Früher Sitz der Nixdorf-Hauptverwaltung, ist das Museumsgebäude heute fast schon selbst eine Attraktion.
Die Ausstellung beginnt mit einer Entwicklung der Schrift und Mathematik seit der Antike und geht über in einen Bereich mit den ersten mechanischen Maschinen.
Erste Schreibmaschine "Typographer" von William Burt aus 1829 (Nachbau).
Links eine der ersten elektrischen Schreibmaschinen, rechts eine Schreibmaschine von Sholes & Glidden. Damit sich die Typen (Buchstabenstempel) beim schnellen Tippen nicht miteinander verhaken, legte man die oft nebeneinander in Wörtern vorkommenden Buchstaben auf der Tastatur weit auseinander - so entstand das QWERTY-Layout, welches bis heute an Computertastaturen zu finden ist.
Die ersten Diktiergeräte, wie dieses Dictaphone, kamen in den 1890ern in amerikanischen Büros auf. In den Trichter gesprochener Schall wurde auf eine rotierende Wachsrolle eingeritzt und vom Fräulein im Vorzimmer von einem Abspielgerät anschließend wieder abgespielt und als Text auf Schreibmaschine abgetippt.
Nachbau eines Telefons von Philipp Reis aus 1863.
An solchen Klappenschränken saßen die Fräulein vom Amt, nahmen Anrufe entgegen und vermittelten durch Zusammenstecken der Leitungen zum anzurufenden Teilnehmer. Später dann setzten sich Selbstwählvorrichtungen wie die Wählscheibe an diesem W48-Nachkriegstelefon durch. Lustigerweise habe ich selbst auch ein W48 hier auf meinem Schreibtisch. Noch komplett funktionsbereit und angeschlossen an der Fritzbox. Und wenn mir danach ist, dann telefoniere ich damit auch gerne mal noch.
Eine spannende Entwicklung von der ersten Elektrodenröhre über den ersten Transistor zum ersten integrierten Schaltkreis und bis zum ersten Intel-Mikroprozessor 4004.
Der Arbeitsplatz einer Platinenbestückerin in den 70ern bei Nixdorf.
Nachstellung eines typischen Rechenzentrums jener Zeit.
Was mir bisher gar nicht bekannt war: Nixdorf hatte schon 1984 die Idee zu einem E-Bike. Dieses wurde von den Ingenieuren daraufhin auf Basis eines handelsüblichen Damenrads entwickelt, kam aber aufgrund des Tods des Unternehmers 1986 nie zur Marktreife.
Im 2. OG befindet sich auch eine Ausstellung zur Entwicklung der Robotik. Mit mal mehr, mal weniger unheimlichen Gestalten.
Die Zuse Z11 aus 1958 war ein programmgesteuerter Relaisrechner für vielfältige mathematische Berechnungen. Mal ein paar Daten als Vergleich zu heutigen Computern: 800kg Gewicht, 2000W elektrische Leistung, rund 120.000 DM Verkaufspreis und ca. 10..20 Hz Taktfrequenz. Wohlgemerkt Hertz, nicht Gigahertz oder Megahertz!
Und wo wir gerade bei Vergleichen sind: das kupferfarbene Ding hier in der Bildmitte hat die Ausmaße einer Waschmaschinentrommel, wurde auch Trommelspeicher genannt und war die "Festplatte" einer Univac 490 aus 1961. Mit ganzen 1,25 MB. Also knapp das, was auf eine einzelne 💾-Diskette passt.
Schon etwas fortschrittlicher wirkt da dieser NASA-Computer aus der GEMINI-2-Mission aus 1965, welcher für zielgenaues Manövrieren der Raumkapsel zuständig war.
Dieses IBM Modell 5150, gehört zu den jüngsten Museumsexponaten aus der Geschichte der Personal Computer.
Reichlich kurios mutet heute das Datenklo an. Ein Eigenbau-Telefonmodem nach Bauanleitung des Chaos Computer Clubs.
Impressionen aus dem Museum.
Die Art der Ausstellung sowie die gezeigten Exponate im Museum gefielen mir recht gut, auch wenn man wenig geleitet wird und sich selbst seinen Rundgang finden muss. Dadurch drängen sich aber auch nie viele Besucher an einzelnen Stellen. Das Gebäude ist riesig - nicht ohne Grund nennt es sich das größte Computermuseum der Welt - aber es wird auch viel Platz offen gelassen. Die Dichte an Ausstellungsstücken ist folglich nicht überfordernd und man kommt mit einem halben Tag gut durch das ganze Museum. Was ich vermisst habe, ist die jüngere Geschichte der Computer bis heute. Die Ausstellung endet quasi in den 80ern was die Computerentwicklung belangt und es schien mir, als ob das Museum den Siegeszug der PCs genauso verkannt hat, wie damals Heinz Nixdorf. Letzteres führte seinerzeit in Konsequenz schließlich zum Niedergang des Unternehmens. Dem Museum wünsche ich eine glücklichere Zukunft, denn es ist ein lehrreicher und spannender Ausflug für jeden Technikinteressierten.