Markiert mit "PC"


Ein schlechter Zeitpunkt...

... um sich einen neuen PC zu kaufen. Mein Haupt-PC zeigte in letzter Zeit zunehmend diverse Ausfallserscheinungen. Kann man der Kiste nicht verübeln - die meisten Komponenten sind schließlich noch aus 2011. Kein Witz. Zeit also, mal etwas Kohle in die Hand zu nehmen, um sich einen neuen Rechner zu bauen. Nur leider ist die Zeit gerade geprägt durch absurde Preise für Speicher und Grafikkarten. Das ging in den letzten Wochen komplett durch die Decke und ein Ende davon ist nicht abzusehen. Da hätte ich besser mal schon vor einem halben Jahr aufrüsten sollen. 😕 Oder letztes Jahr nicht so viel mit KI herumspielen sollen 😅 - denn die großen Player (Google, Amazon, Meta, Microsoft, ...) jedenfalls stampfen nun neue KI-Rechenzentren aus dem Boden und kaufen dafür Speicherchips in Unmengen und zu egal welchem Preis. Für irgendwelche PC-Bastler bleibt da nicht viel übrig auf dem Markt und entsprechend steigen dann die Preise. Und da diese Lage allen Prognosen nach wohl erstmal noch schlimmer werden wird, um dann lange schlimm zu bleiben, war es wohl klüger jetzt noch fix zuzugreifen um sich einen Rechner zu bauen:
Neuer PC
Was mir aber an derzeitigen PC-Trends gar nicht gefällt, ist dieser langweilige und unpraktische Aquarium-Look überall: das Gehäuse ist im Prinzip ein Glaskasten mit Beleuchtungsspektakel, bei dem meist die Funktion hinter dem Design zurücksteht. Praktischerweise hatte ich ja noch den "Aschenbecher" - ein großes Gehäuse mit viel Platz, Schächten für optische Laufwerke und trotzdem schick. Und es stinkt inzwischen auch nicht mehr wie eine Raucherkneipe. Für die interessierten Nerds, hier eingebaut sind nun:
  • Asus TUF B850-Plus
  • AMD Ryzen 9 9950X
  • 64 GB Kingston Fury Beast
  • GeForce 5060 Ti 16 GB
Und eine custom Wasserkühlung mit riesigem Radiator, die aktuell aber nur die CPU kühlt. Und ja, bei der WaKü hat mich dann zugegeben auch etwas der Spaß an Beleuchtung gepackt. 😁 Aber neuer PC mit Wasserkühlung und tollem Lichtspektakel hin oder her - absolut still ist so eine Kiste ja trotzdem nie. Und wenn ich konzentriert an etwas arbeiten will, dann kann ich maximal noch das Schnarchen der Katze tolerieren, aber kein Lüfterrauschen in meiner Gegenwart. Darum kommt der schicke PC wie schon sein Vorgänger in den Nebenraum: direkt hinter meinem Monitor gibt es ein faustgroßes Loch in der Wand, da gehen alle Kabel von Maus, Tastatur, Monitoren, etc. durch zum PC und der kann dann dort drüben so viel rauschen wie er will:
Loch in WandNeuer PC
Hübsch und neu und trotzdem ins Kellerloch verbannt.

Vintage Computer Festival in Solothurn

KITTNachdem wir vom Freiburger Roboterclub im Januar auf dem Vintage Computer Festival in Zürich waren, zogen wir heute erneut los um alten Rechnern und blinkenden Bastelprojekten einen Besuch abzustatten. Diesmal aber nach Solothurn, wo nicht nur das VCF stattfand, sondern gleich auch noch ein ganzes Museum zu Computern, Funk- und HiFi-Geschichte, coolen Autos und noch viel mehr die Nerdherzen höher schlagen lässt.
Vintage Computer Festival in Solothurn, Blick über Halle im EGBreakout auf 1cm-Röhrenmonitor
Jede Menge interessante Exponate und skurrile Bastelprojekte beim VCF im EG des Museums - z.B. Breakout auf winzigen 1cm Bilddiagonale, gesteuert durch einen ATmega.
VCFVCFVCFVCF
Und wie bei den Tüftlern im Erdgeschoss, lädt auch die Museumsausstellung in den zwei Etagen darüber zum Anschauen und Anfassen ein:
Enter TechnikweltEnter Technikwelt
Links ein Highlight für alle Roboter-Fans; und auch für schöne alte Radios können wir uns ja begeistern. 😊
Enter Technikwelt
Derweil wurde hier eindrucksvoll dargestellt, was die schöne alte Technik anzurichten vermag, wenn ihr zu heiß wird.
Ein, wie ich finde, tolles Ausstellungsstück, das mal nicht von irgendwelchen Daten und Jahreszahlen berichtet, sondern von ganz realen Aspekten der Geschichte.
Wirklich sehr gelungen und begreifbar gemacht ist auch der Ausstellungsbereich mit Nachbildungen verschiedener Räume aus verschiedenen Zeitepochen. Ob Teslas Büro aus achtzehnhundertnochwas, ein Fernsehstudio in den 60ern oder hier, ein Kinderzimmer aus den 80ern/90ern:
Enter Technikwelt
(Wobei ich hier einwenden möchte, dass meines damals bei weitem nicht so cool war. 😅)
Und zum Schluss gab es im Keller noch zwei Highlights:
Enter TechnikweltEnter TechnikweltEnter Technikwelt
Highlight #1: Eine Ausstellung berühmter Autos aus Film und Fernsehen. Von Batman über Knight Rider und James Bond bis Manta Manta und Herbie.
Enter Technikwelt
Highlight #2: Das begehbare Archiv des Museums (hier ein Blick in nur einen von vielen Gängen). Inklusive des unverkennbaren Dufts von alter Elektronik, staubigen Röhrenmonitoren und dem Odor von vergessenen Plattenspielern - einfach himmlisch! 🤩
Die weiblichen Mitglieder meines Haushalts wären zwar sicher der Ansicht, dass jenes Museumsarchiv weder optisch noch geruchlich wesentlich vom Zustand unseres Kellers daheim unterscheidbar sei. Dennoch ließ ich nicht die Gelegenheit verstreichen, zum Ausklang des Tages beim VCF-Flohmarkt noch ein paar Grafikkarten und Laufwerke einzusacken. Für meine eigenen nächsten Bastelprojekte ist also auch gesorgt. 😉

Vintage Computer Festival 2025

Heute haben wir als technikbegeisterte Drei-Mann-Delegation des Freiburger Roboterclubs dem Vintage Computer Festival in Zürich einen Besuch abgestattet: Dutzende Ausstellungsstände (viele davon zum Anfassen und selbst erfahren) mit alter Computertechnik, Röhrenbildschirmen, historischen Datenmedien und Retro-Games auf mehreren Ebenen in einem ehemaligen Kraftwerk - also ein richtiges Nerd-Paradies. 😊 Den Einstieg machte direkt ein Vektorgrafiksystem aus den 70ern mit, für diese Zeit, beeindruckend gestochen scharfer Darstellung:
Tektronix 4014-1
Tektronix 4014-1
Für Hobbyisten waren solche Geräte damals natürlich komplett unerschwinglich. Stattdessen war im Bereich der frühen Home-Computer noch sehr viel aufwendige Eigenarbeit erforderlich, wie dieses Beispiel aus 1968 auf Basis einer Anleitung in einer Fachzeitschrift zeigt:
Selbstbaucomputer
Die Bauteile wurden vom Besitzer zuvor aus gebrauchten Radios und Elektroschrott ausgelötet und zusammengesammelt.
Nicht minder beeindruckt durch den investierten Aufwand hat uns der voll funktionsfähige Nachbau eines Intel 4004 (quasi der Urahn aller heutigen Prozessoren) aus 1800(!) einzelnen Transistoren:
Selbstbaucomputer
Aus einzelnen Transistoren gebaut zwar nicht mehr wirklich ein Mikrochip, aber dafür sehr anschaulich und informativ.
Laut Besitzer übrigens kaum zu debuggen, weil allein schon der Tastkopf eines Oszis an einem Transistorbeinchen diesen aus der Bahn wirft. Und wo wir gerade beim Thema Aufwand sind: dies ist ein altes Kernspeichermodul:
Kernspeicher
Und nun werfen wir einen Blick durch das Mikroskop auf diese grauen Flächen da:
Kernspeicher
(Ein Klick auf's Bild öffnet übrigens eine größere Ansicht)
Jeder einzelne dieser winzigen Ferrit-Ringe wurde von Hand(!) von chinesischen Gastarbeiterinnen aufgefädelt - Bit für Bit. 😮 Das erklärt dann auch solche Preise:
1MBit Kernspeicher
Kurz mal die Mathe gemacht: das sind 204.000 Schweizer Franken für 150 Kilobyte - wohlgemerkt nach 1965er Kaufkraft ^^
Neben tollen Exponaten wurden auch Vorträge gehalten. Im Vortrag zu Retro-Computing ging es unter anderem um den Verfall von Technik im Laufe der Zeit, die Probleme beim Auslesen historischer Datenträger und um ein paar generelle Fragen, die mir immer noch nachwirken:
  • Die 30..40 Jahre alten Computer, die wir Enthusiasten so liebevoll und aufwendig restaurieren, weil wir einen persönlichen nostalgischen Bezug zu dieser Technik haben: wie werden die in weiteren 30..40 Jahren aussehen, welchen Zustand werden die haben?
  • Wer wird sich um sie kümmern, wenn nachfolgende Generationen keinen eigenen Bezug dazu haben? Wie sieht es in 80 Jahren aus? Oder in 200?
  • Was wird irgendwann überhaupt noch funktionieren? (Stichwort Elekromigration)
Das sind durchaus ernste Themen, deren Beantwortung vielleicht mal ein eigener Artikel werden könnte...
1MBit Kernspeicher
Dieser Röhrenmonitor eines HP250 leidet unter CRT cataracts - dem irreversiblen Ablösen des Schutzglases, was den Bildinhalt nahezu unlesbar macht.
Da es sich um eine extrem seltene Röhre mit einzigartiger Bauform handelt, ist ein Ersatz de facto unmöglich.
Erfreulicherweise waren aber auch "Rechner" zu sehen, die von solchen Problemen unberührt ihren Dienst noch lange Zeit tun:
Mechanische Rechenmaschine
Mechanische Rechenmaschine

Impressionen

Uraltes:

Univaclogic module
Logikmodul aus einem UNIVAC 1
Lochkartenleser
Arduino bringt einen Lochkartenleser ins 21. Jahrhundert

Hübsches:

HP150
Touchscreen-Technik anno 1983
Macintosh Plus
Ein Macintosh Plus aus 1986

Besonderes:

Akustikkoppler
Ein frühes Notebook mit Datenkassette und Akustikkoppler
OLPC
Ein Vertreter des enthusiastisch gestarteten und dann in der Praxis gescheiterten One Laptop Per Child-Projekts

Retro-Gaming:

1995 i-Glasses
Hier kann man Descent mit 3D-Brille spielen. Fand ich sehr cool, denn genau so ein i-Glasses VR-Set aus 1995 habe ich auch 😎
Duke Nukem 3D
"I'm here to kick ass and chew bubblegum, and I'm all outta gum" - Duke Nukem 3D
1999 LAN setup
Und hier konnte wie anno 1999 an mehreren Rechnern im Netzwerk Quake gezockt werden.
Und Ausklang eines coolen Techniktages am Züricher See:
Züricher See

IBM PS/2 Model 55SX aus 1990

IBM Model 55SX
IBM PS/2 Model 55SX, ein 386er mit 16 MHz und 32 MB Festplatte
Als kleines Zwischenprojekt habe ich kürzlich den abgebildeten IBM PS/2 aus Baujahr 1990 recht günstig erstanden. Kurz zum historischen Kontext dieses Rechners: IBM hatte Anfang der 80er mit dem Personal Computer einen neuen Typ von Computer eingeführt, der überraschend so erfolgreich war, dass er bis in die 90er IBM die Marktdominanz im Computerbereich sicherte, Microsoft zum weltweiten Aufstieg verhalf und zum Teil bis in die heutigen Computer nachwirkt. Das neue, offene und patentfreie PC-Konzept sorgte schnell für eine unüberschaubare und stetig wachsende Fülle von IBM-kompatibler Hard- und Software vieler Hersteller - und war IBM darum bald ein Dorn im Auge, wollte man doch an dem unerwartet enormen Erfolg selber auch enorm mitverdienen. 1987 führte IBM darum das PS/2-System als vorgesehenes Nachfolgekonzept ein, bei dem IBM hohe Lizenzkosten forderte. Weil die Hardware dadurch sehr teuer war, nicht abwärtskompatibel zum PC-Konzept war und kaum andere Hersteller diesen neuen Weg mitgehen wollten, scheiterte IBM mit den PS/2-Computern desaströs auf ganzer Linie und verlor seine einstige Vorreiterrolle komplett. Statt IBM-kompatibel achteten die Käufer fortan auf Windows-kompatibel. Aus geschichtlicher Sicht finde ich PS/2-Rechner von daher durchaus interessant. Zumal mein erster eigener Computer auch ein PS/2 war.
Beim Beschäftigen mit meinem Neuerwerb stellten sich dann aber gleich mal ein paar Baustellen heraus:
  • Die Batterie für BIOS-Einstellungen war leer,
  • das Diskettenlaufwerk wollte nicht mehr
  • und 2 MB Arbeitsspeicher verlocken geradezu danach etwas aufgerüstet zu werden.
Also gehen wir es an ... Die Batterie für die BIOS-Einstellungen ist leider zusammen mit der Echtzeituhr in einem Chip vergossen:
Dallas 1287
Dallas DS1287 war ein üblicher Baustein zu jener Zeit für die batteriegestützte Echtzeituhr
Man kann es der Batterie nach 34 Jahren nicht verübeln, dass ihr die Puste ausgegangen ist, aber wir müssen da jetzt ran. Leider sind die Kontakte nicht nach außen herausgeführt, so dass das Gehäuse einer kleinen Operation unterzogen werden muss:
Hacking a Dallas RTC chip
Im Prinzip geht das auch mit einem Dremel, aber ich nehme hierfür lieber meine Mini-Fräse
Hacking a Dallas RTC
Die modifizierte Echtzeituhr mit nun nach außen geführten Leitungen für eine externe 3V-Batterie
Der ganze Prozess ist hier beschrieben. Kurzfassung: mit einem Fräser verschafft man sich vorsichtig Zugang zu den vergossenen Pins 16 und 20. Pin 16 unterbricht man und lötet an dessen unterem Ende sowie an Pin 20 Kabel an, die man an einen externen Batterieclip für eine CR2032-Batterie (3V) führt. Zur Sicherung gegen Abreißen habe ich die Kabel an der DS1287 noch mit UV-härtendem Kleber vergossen. Fertig. 😎 Die DS1287 war eine gebräuchliche Echtzeituhr auf Mainboards jener Zeit, nicht nur bei PS/2-Rechnern. Das Auffräsen der vergossenen Kontakte ist lästig und leider auch etwas diffizil, aber lieber das, als die Einlötbatterieen die man gelegentlich auf anderen alten Mainboards findet und die früher oder später alle auslaufen und dann die Leiterbahnen irreparabel durchätzen. Mit frischer Batterie ist schon mal eine Fehlermeldung beseitigt, aber der Rechner beklagt sich weiterhin, dass die BIOS-Einstellungen neu geschrieben werden müssen. Nur, wie kommt man beim IBM 55SX ins BIOS? Nach etwas Recherche stellt sich heraus: nur mit Booten von einer speziellen IBM-Diskette (Reference Diskette). Wie gut, dass es diese Disketten im Netz zum Download gibt. Wie blöd, dass das Diskettenlaufwerk aber partout keine Disketten erkennen will.😕 Also wird das die nächste Baustelle...
IBM Model 55SX Floppy Drive
Links das Problemlaufwerk, rechts ein mindestens ebenso altes IBM-Diskettenlaufwerk bei dem schon Teile vom Gehäuse fehlen, das vollkommen verstaubt war und das trotzdem noch brav Disketten liest und schreibt. 🤣
Natürlich hatte IBM bei den PS/2-Diskettenlaufwerken auch wieder einen Sonderweg gewählt und man kann nicht einfach ein anderes Laufwerk aus einem PC verwenden. Es gibt wohl Adapter um das doch zu bewerkstelligen, aber mein Anspruch war, nach Möglichkeit das Originallaufwerk wieder in Gang zu bekommen. Wenn ein Diskettenlaufwerk zwar noch die Diskette dreht und den Lesekopf bewegt, aber sonst nicht mehr so richtig will, dann liegt es entweder am Lesekopf selbst oder an der Elektronik und da dann meistens an ausgelaufenen oder eingetrockneten Elektrolytkondensatoren (Elkos). Ein Blick auf die Platine bestätigt, dass dies auch hier der Fall sein könnte:
Electrolyte corosion on an IBM floppy drive
Eine gesunde Lötstelle sollte silbrig glänzen, und nicht die Farbe eines Nasenpopels haben.
In diesem Fall hatte ich Glück, es handelt es sich um Aluminium-Elkos sehr kleiner SMD-Bauform, die nur wenig Elektrolyt enthalten, was entsprechend weniger Schaden pro Zeit anrichtet. Die Leiterbahnen waren hier somit noch fast unversehrt geblieben. So oder so, hatte ich entschieden alle Elkos auszutauschen und durch Neue zu ersetzen. Allerdings enthielt mein Vorrat an SMD-Kondensatoren keinen passenden Ersatz, so dass das Projekt erstmal für ein paar Tage zum Ordern von Bauteilen unterbrochen wurde. Möglicherweise habe ich das wieder mal etwas übertrieben:
2000x 10µF capacitors on reel
2000 Stück 10µF-Elkos auf der Rolle
Banana for scale
Bei 2000 Stück für 2,50€ - wie will man da nein sagen?! 😅 Jedenfalls, als die Kondensatoren eingetroffen waren, konnte es mit der Laufwerksplatine endlich weiter gehen. Leider direkt mit einem Malheur - habe ich an einer Stelle doch beim Ablöten prompt die Kontaktflächen von der Platine mit abgerissen. 😱
Mistake to avoid when unsoldering electronic parts
Ja. Ganz genau. Gleich beide. Scheiße.
Wie peinlich! Wie behebt man so ein Unglück? Nun, man verfolgt die Leiterbahn bis zur nächsten Lötstelle, führt von dort eine Litze zum neuen Bauteil und ersetzt damit quasi die Leiterbahn samt verlustig gegangener Kontaktfläche. Die zweite Leiterbahn hier verschwindet allerdings unter dem Laufwerksmotor und ich hatte keine Lust, den jetzt auch noch auszubauen. Also wurde es an dieser Stelle noch fitzeliger und ich musste den Schutzlack vom Ende der Leiterbahn, dort wo die Kontaktfläche abgerissen war, weg kratzen um dann auf dieser haarfeinen Fläche das andere Pin des Kondensators anzulöten:
Mistake to avoid when unsoldering electronic parts
Da der Kondensator nun nur noch an einer winzigen Fläche an der Platine angelötet ist, habe ich ihn noch mit Sekundenkleber fixiert.
Besser ist es folglich, wenn man solche kleinen Desaster vermeidet. Hier meine Strategie dazu: ich kneife die kleinen Elkos mit einer Zange, heble sie von ihren Anschlussdrähten ab und kann dann die Anschlussdrähte einfach mit der Spitze des Lötkolbens sauber weg heben:
How to unsolder SMD capsHow to unsolder SMD caps How to unsolder SMD capsHow to unsolder SMD caps
Hätte ich gleich so machen sollen.
Bei größeren Elkos ist dies gleichwohl keine ratsame Vorgehensweise.
Das Gute an alter Technik ist ja, dass sie meist gut reparierbar ist und auch solche Missgeschicke verzeiht. Das Austauschen der Kondensatoren brachte jedenfalls das erhoffte Resultat und das Floppy-Laufwerk läuft wieder einwandfrei. Was ich jetzt mit den restlichen 1994 Stück 10µF-Kondensatoren mache, weiß ich aber auch noch nicht. 🤣
IBM Model 55SX
Das Laufwerk liest und schreibt wieder wie anno 1990.
Nach dem Download eines Abbilds einer IBM-Referenzdiskette, dem Aufspielen von Selbigen auf eine Floppy, Booten davon und Neuschreiben der Systemkonfiguration konnte ich dann auch schon den Rechner hochfahren und DOS starten. Die Zwischenschritte dabei, wenn man erst das passende IBM-Disketten-Image finden muss, dann ein Tool zum Beschreiben des Selbigen braucht, dann das Ganze auf den Win98-Rechner übertragen muss weil das Tool unter 64bit-Win10 nicht laufen will, dann herausfinden, wie das mit dem alten PS/2-Systemsetup überhaupt funktioniert, dann, und dann und dann ..., das habe ich dabei jetzt einfach mal unerwähnt gelassen. 🤪 Also wenn PS/2 den Anspruch hatte, es den Anwendern einfacher zu machen, dann wüsste ich jedenfalls gern, was IBM damals dazwischengekommen ist. 🙄 Und wo wir gerade bei nicht-so-einfach sind, da war ja noch die Sache mit dem Aufrüsten des Arbeitsspeichers. Das PS/2-Model 55SX hat zwei Slots für RAM. In einem steckt bereits ein 2MB-Modul. Laut Datenblatt sollten zwei 4MB-Module einbaubar sein. Aber nicht einfach irgendwelche, sondern wieder nur bestimmte Module mit bestimmtem Timing, die schon damals lackgesoffen teuer waren und heute quasi unauffindbar sind. Es gibt aber einen Trick, dem Rechner vorzugauckeln, dass ein richtiges RAM-Modul eingesteckt ist, indem man die Presence Detection (PD) Pins am Modul entsprechend modifiziert. Herumlöten am Arbeitsspeicher? Hab ich auch noch nie gemacht, also bin ich dabei! 😄 Um es mir ein bisschen bequemer zu machen, habe ich mir zwei 4MB-Module besorgt, bei denen die PD-Pins schon ab Werk über Drahtbrücken leicht veränderbar sind:
IBM PS/2 memory hack
Oben ein modifiziertes Modul mit Drahtbrücke, unten noch im Originalzustand.
Im Endeffekt erhält man so ein Speichermodul, welches eigentlich schneller arbeiten könnte, als es sich über seine PD-Pins ausgibt. Und der Rechner ist damit glücklich:
IBM Model 55SX with 8MB RAM
8 MB Arbeitsspeicher! Damals wäre das High End gewesen! 😎

Fazit

Was dem Rechner nun noch fehlen würde ist eine Soundkarte und ein verlässlicher Ersatz für die betagte Festplatte. Angesichts der schlechten Teileverfügbarkeit, geschuldet dem damaligen IBM-Sonderweg, und der umständlichen Systemkonfiguration weiß ich allerdings nicht so recht, ob ich überhaupt tiefer in die PS/2-Materie eintauchen will. Zumal es in der x86-Welt jede Menge besser verfügbare, günstigere und kompatiblere Alternativen mit ebenso hohem Vintage-Charme gibt. Sehr ähnliche Überlegungen müssen es wohl auch damals schon gewesen sein, die dazu geführt haben, dass sich die PS/2-Systeme nicht am Markt durchsetzen konnten.